status – CLEARING ÜBER EINEN ZENTRALEN KONTRAHENTEN

Absicherung für den Fall der Fälle

Clearing über einen zentralen Kontrahenten (Central Counterparty, CCP) – also das Risikomanagement für Wertpapier-, Währungs-, Rohstoff- und Termingeschäfte – wird in Zukunft noch wichtiger werden.
Und das v. a., weil das Clearing über einen CCP viele verschiedene Finanzprodukte einschließen kann. Die Nutzung eines CCP reduziert nicht nur die Kreditrisiken gegenüber anderen Marktteilnehmern, sondern erlaubt über sog. Portfolio- und Nettingeffekte die Finanzierungs- und Kapitalkosten deutlich zu reduzieren und so die Profitabilität für die Kunden zu erhöhen. Um diese Effizienzgewinne weiter auszubauen, hat Eurex Clearing den Zugang zum Clearinghaus neu definiert und zusätzlich die Produktpalette erweitert.

Außerbörsliche Verrechnung (OTC-Clearing)

OTC-Derivate sind Kontrakte, die direkt zwischen zwei Parteien gehandelt werden, ohne dass eine Börse (wie Xetra® oder Eurex®) zwischengeschaltet ist. Produkte wie Swaps, außerbörsliche Zinstermingeschäfte, „exotische“ Optionen – und andere „exotische“ Derivate – werden heute fast ausschließlich auf diese Weise gehandelt. Der Markt für OTC-Derivate ist der größte Derivatemarkt.

Nachdem eine OTC-Transaktion auf bilateraler Basis abgeschlossen wurde, werden Transaktionen dieser Art mittlerweile häufig an ein Clearinghaus zur zentralen Verrechnung und zum Risikomanagement abgegeben. Der Clearingprozess von OTC-Transaktionen ist im CCP nahezu identisch mit dem Clearing von börslich gehandelten Derivaten. Der Unterschied liegt im Standardisierungsgrad der Produkte und der damit verbundenen Komplexität der Risikobewertung.

Das Clearing wird direkter: ISA Direct

Bislang waren in erster Linie Banken Clearingteilnehmer bei Eurex Clearing, einem der Clearinghäuser der Gruppe Deutsche Börse. Die sog. Buy-Side, also u. a. Investmentfonds, Pensionsfonds oder Versicherungen, hatte lediglich indirekten Zugang zum CCP. In dieser Struktur ist die Buy-Side weiterhin dem Kreditrisiko des direkten Clearingteilnehmers ausgesetzt. Außerdem sind die Kosten für die Buy-Side für diese Art des Zugangs – durch veränderte Kapitalanforderungen für Banken in ihrer Funktion als Clearingteilnehmer („Clearingbanken“) – in den letzten Jahren signifikant angestiegen.

Seit Sommer 2016 gibt es einen neuen Service für diese Buy-Side-Kunden, die zu direkten Teilnehmern bei Eurex Clearing werden, wobei bestimmte Services, die sie bisher von ihrer Clearingbank erhalten haben, auch unter dieser neuen Struktur durch die Clearingbank erbracht werden müssen. Der Buy-Side-Kunde hat sein Gegenparteikreditrisiko deutlich reduziert – ein wesentlicher Vorteil dieser Struktur. Darüber hinaus erlaubt das Modell der Clearingbank, die Kapitalkosten für den Service deutlich zu senken und somit die Rendite auf das eingesetzte Kapital zu verbessern. Und das gilt selbst bei einer Reduzierung der Servicegebühren gegenüber der Buy-Side.

Dieses Zugangsmodell wird bereits für außerbörslich gehandelte Zinsswap- und Repo-Transaktionen, also Vereinbarungen über den Kauf und Rückkauf von Wertpapieren, angeboten. Eine Erweiterung auf Dienste zur Wertpapierleihe sowie börsengehandelte Derivatetransaktionen ist geplant. Nutzt ein Buy-Side-Kunde mehrere Angebote, die von Eurex Clearing und Clearstream angeboten werden, so erhöht sich die Effizienz weiter, v. a. mit Blick auf die Nutzung von Wertpapiersicherheiten.

Das neue Angebot heißt „ISA Direct“ (ISA steht für „Individual Segregated Account“). ISA Direct richtet sich an kleine und mittelgroße Kreditinstitute, Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen, Pensionsfonds und Investmentfonds. Neben den bereits erwähnten Vorteilen für die Kunden bringt dieses Modell auch Vorteile für die Stabilität des Clearinghauses und damit auch für das gesamte Finanzsystem. Das ist zum einen darauf zurückzuführen, dass das Clearinggeschäft auf mehrere Clearingbanken verteilt wird. Zum anderen wird dadurch im Fall der Fälle – sollte eine der Clearingbanken ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können – die Größe der abzuwickelnden Portfolios kleiner. Somit werden die systemischen Risiken im Clearinghaus reduziert. Das nützt allen Teilnehmern von Eurex Clearing und dem gesamten Finanzmarkt, je mehr Buy-Side-Kunden sich für eine direkte Teilnahme am CCP entscheiden.

Zentrale Verrechnung von Wertpapierleihegeschäften

Die meist bilateralen OTC (over-the-counter)-Geschäfte, z. B. zwischen zwei Banken, machen nach wie vor das Gros des Wertpapierleihemarktes aus. Solche OTC-Geschäfte werden in der Regel über eine längere Zeitdauer abgeschlossen. Währenddessen bestehen Kreditausfallrisiken, die die Erfüllung des Geschäfts bei Ausfall einer Partei gefährden.

Ein zentraler Kontrahent für die Verrechnung von Geschäften minimiert das Kontrahentenrisiko in Transaktionen – sowohl im börslichen als auch im außerbörslichen Bereich. Der CCP verrechnet Positionen, überprüft und bestimmt kontinuierlich das Risiko von Geschäftsportfolios und fordert Sicherheiten von den Clearingteilnehmern ein. Die mit dem CCP verbundenen Clearingteilnehmer sind also tagesaktuell abgesichert und es häufen sich keine bilateralen – und intransparenten – Risiken an (siehe Grafik „Effekt des Ausfalls eines Handelspartners ohne und mit CCP“). Stattdessen laufen die Risiken im CCP zusammen, werden dort verrechnet und risikoadäquat abgesichert.

Effekt des Ausfalls eines Handelspartners ohne und mit CCP

Wertpapierleihegeschäfte

Eurex Clearing bietet als weltweit erster CCP Clearingservices für Wertpapierleihegeschäfte zwischen Investoren und Banken an. Der sog. Lending CCP erhöht die Sicherheit und die Effizienz in einem traditionell stark durch OTC-Geschäfte geprägten Markt: Gerade bei Leihegeschäften ist die Einschaltung eines zentralen Kontrahenten aus Gründen der Absicherung gegen Änderungen im Kreditrisikoprofil – oder gar des Ausfalls des Partners – sinnvoll. Dadurch wird auch die Verrechnung von Positionen möglich – das sog. multilaterale Netting, welches das einzusetzende Kapital und damit die Kosten für das Geschäft reduziert.

Die Geschäftsusancen des Wertpapierleihemarktes wurden in der Konzeption des Lending CCP eingearbeitet; dieser wurde mit den Stärken des von der Deutschen Börse angebotenen CCP-Clearings ausgestattet. Dieser Ansatz zielt auf die Entwicklung von Märkten und Marktusancen und er berücksichtigt die Interessen der Marktteilnehmer angemessen. Nicht nur die einzelnen Clearingteilnehmer haben Vorteile; die Märkte insgesamt werden transparenter und sicherer. Deshalb handelt es sich um ein im besten Sinne nachhaltiges Angebot der Gruppe Deutsche Börse für den Finanzsektor.


Clearing im Devisenhandel (FX)

„Es ist uns wichtig, dass unsere Kunden über einen einzigen Anbieter ein umfassendes Service- und Produktspektrum erreichen können. Mit der Akquisition von 360T durch die Deutsche Börse haben wir mit Devisen eine zusätzliche Anlageklasse im Programm. Wir planen, ab Sommer 2017 im Rahmen unseres EurexOTC Clear-Service auch Clearing von OTC FX Swaps, OTC FX Spot und OTC FX Forwards anzubieten“, sagt Erik Tim Müller, CEO von Eurex Clearing. „Auf diese innovativen Angebote sind wir stolz, denn sie ermöglichen unseren Kunden weitere Prozess- und Kosteneffizienzen im Nachhandelsbereich.“