innovation – BÖRSE UND REALWIRTSCHAFT

Kapital trifft auf unternehmerische Energie



Kreativität, Ideen und Mut sind in Deutschland und in Europa vorhanden. Es fehlt allerdings weithin an Kapital für ein rascheres Wachstum. In den USA sind aus Garagenfirmen Milliarden-Unternehmen geworden. Genau diese Entwicklung haben wir in Deutschland weitgehend verpasst.

Das Institut der deutschen Wirtschaft formulierte diese Thematik in seinem Policy Paper zum Thema Unternehmensgründungen Anfang 2016 so: „Innovationsstarke Gründungen, die innerhalb weniger Jahre zu globalen Konzernen wie Google oder Amazon heranwachsen, finden nicht hier statt.“

Damit auch in Deutschland aus Innovationen solide Unternehmen werden, benötigen wir eine starke Industrie und unseren zu Recht gerühmten Mittelstand, die sich beide jungen Unternehmen und disruptiven Innovationen öffnen. An den Universitäten brauchen wir Gründerzentren und junge Menschen, die über wirtschaftliche Zusammenhänge informiert sind und sich etwas zutrauen. Wir benötigen auch Investoren und Kapital. All dies zusammen kann ein fruchtbares Ökosystem ergeben. Als Deutsche Börse arbeiten wir aktiv an so einem Ökosystem für Wachstum.

2015 haben wir begonnen, den vorbörslichen Markt für Wachstum (Pre-IPO) entschieden weiterzuentwickeln: Deutsche Börse Venture Network® ist unsere Plattform, auf der Investoren und Gründer zusammenfinden. Seit der Gründung sind darüber über 1 Mrd. € für innovative Ideen aktiviert worden. Mit der va-Q-tec AG aus Würzburg ist das erste Unternehmen aus dem Netzwerk Ende September 2016 an die Börse gegangen
(siehe den Fotoreport „va-Q-tec aus Würzburg“). Venture Match ist ein Service, in dem von unseren Experten geprüfte Angebote – Offerten von Kapital und Finanzierungsprojekte – zusammengeführt („gematcht“) werden. Die Trefferquote von Investments erhöht sich dadurch und die Unternehmen können sich stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, anstatt viel Energie in die Akquise von Kapital lenken zu müssen. Zugleich erhöht sich die Transparenz in diesem wichtigen Markt, denn Investoren erhalten dadurch einen besseren Einblick in vielversprechende Unternehmen.

Mit unserem im Juni 2016 gegründeten Unternehmen DB1 Ventures schauen wir permanent nach attraktiven Beteiligungen im Fintech-Bereich, die gut zur Gruppe Deutsche Börse passen. Wir sind fest entschlossen, eine Erfolgsgeschichte wie die Akquise von 360T zu wiederholen. Zugleich ist es das Ziel von DB1 Ventures, richtungsweisenden Unternehmen aus unserem Umfeld Kapital zur Verfügung zu stellen, damit sie sinnvolle Ideen entwickeln und Wachstum schaffen können.

Mit dem FinTech Hub soll ein Stück Gründerkultur nach Frankfurt kommen. In dieser Stadt sind wichtige Regulierungsbehörden sowie nationale und internationale Banken angesiedelt.

Die Deutsche Börse bietet mit Scale seit dem 1. März 2017 ein neues Börsensegment an, das den Zugang zu Investoren und Wachstumskapital für kleine und mittlere Unternehmen verbessern soll. Als Segment im Freiverkehr, also im börsenregulierten Markt, hat Scale den Entry Standard für Aktien und Unternehmensanleihen ersetzt. Zur Zielgruppe des neuen Segments zählen Unternehmen, die sich bei Investoren bereits bewährt haben. Um in das neue Segment aufgenommen zu werden, ist u. a. die Zusammenarbeit mit einem Deutsche Börse Capital Market Partner notwendig, der die Eignung des Unternehmens für das Segment prüft. Dabei findet eine Due Diligence statt: Die rechtlichen und finanziellen Verhältnisse des Unternehmens werden sorgfältig geprüft und analysiert. Zu den Zugangs- und Folgepflichten zählen ferner Forschungsberichte, die die Liquidität sowie die Transparenz gegenüber Investoren verbessern sollen. Diese Unternehmensanalysen sind verpflichtend und sie entstehen unabhängig, denn sie werden von der Deutschen Börse in Auftrag gegeben. Die gelisteten Unternehmen unterliegen außerdem der EU-Verordnung zur Bekämpfung von Marktmissbrauch (Market Abuse Regulation) und sind somit zur Ad-hoc-Publizität verpflichtet.

Stück für Stück setzt sich so ein Ökosystem für Wachstum zusammen, dessen Komponenten innovative und wachsende Unternehmen in jeder Phase unterstützen. Die Gruppe Deutsche Börse trägt als führender europäischer Anbieter für Marktinfrastruktur dazu bei, dieses Ökosystem zu entwickeln. Denn auch bei uns sollen aus jungen und wachsenden Unternehmen rasch große Unternehmen werden.

Start-up im Fokus: va-Q-tec aus Würzburg

Das Unternehmen entwickelt und fertigt hoch isolierende Vakuum-Paneele sowie thermische Verpackungen, die auch weltweit vermietet werden. Dabei hat sich die Firma in 15 Jahren mehrfach neu erfunden, um den Wünschen ihrer Kunden zu entsprechen. „Das Deutsche Börse Venture Network hat uns 2016 einen wichtigen Impuls gegeben“, sagt der Gründer Dr. Joachim Kuhn, der uns über sein Unternehmen Auskunft gegeben hat. „Wir sind stolz, der erste Börsengang aus diesem Wachstumsnetzwerk zu sein.“

CEO Dr. Joachim Kuhn und Finanzvorstand Christopher Hoffmann:

„Entwicklung, Produkte, Systeme und Vermietung – wir machen alles, was der Markt braucht.“

Container auf Abruf:

„Unsere Container sind sehr erfolgreich;
insgesamt halten wir 80 Patente und Patentanmeldungen.“

Laufzettel für Container:

„Vom Kunstwerk über Paletten, Medikamente und Organe, Blutkonserven …
Medizinische Transporte sind zurzeit unser Hauptgeschäft.“

Werkhalle in Würzburg:

„Die Spezialfolie kann flexibel und effizient verarbeitet werden.“

Die Vakuum-Paneele bestehen aus offenporigem Nanosand und einer Hightech-Folie:

„Wir fertigen ein ‚festes‘ Vakuum, sonst würde das Paneel sofort kollabieren.“

Blick in die Produktion:

„Unsere passiven Klimaboxen halten fünf Tage lang die Temperatur – ohne Energiezufuhr.“