ambition – Regulatorische Updates

Regulierung von A bis Z



Als Anbieter hochgradig regulierter Finanzmarktinfrastruktur verfolgt die Gruppe Deutsche Börse dasselbe Ziel wie der nationale Gesetzgeber, die Europäische Union und die G20: die Stärkung transparenter und regulierter Märkte. Die Gruppe hilft ihren Kunden, stets über die jüngsten regulatorischen Entwicklungen informiert zu bleiben und unterstützt sie mit passenden Dienstleistungen bei der effizienten Einhaltung sämtlicher Auflagen.

Aufsichtsbehörden

Regierungen rund um den Globus haben Behörden und Institutionen zur Regulierung und Beaufsichtigung von Finanzmärkten und entsprechenden Unternehmen etabliert, wie den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht oder die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Eine der einflussreichsten Behörden Europas ist die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority, ESMA), die u. a. die Einhaltung der einheitlichen Regelwerke für die EU-Finanzmärkte beaufsichtigt. Die ESMA ist auch für die Beaufsichtigung von Ratingagenturen und Transaktionsregistern (wie REGIS-TR der Gruppe Deutsche Börse) zuständig.

Benchmark-Verordnung

Benchmarks sind Referenzwerte, mit denen die Wertentwicklung von Finanzinstrumenten gemessen wird. Sie sind für die Finanzmärkte von entscheidender Bedeutung. Um die Manipulation von Benchmarks zu verhindern und deren Integrität sicherzustellen, hat die EU eine neue Benchmark-Verordnung erlassen, die 2018 in Kraft treten soll. Die Gruppe Deutsche Börse vermarktet rund 10.850 globale Indizes und Benchmarks. Ihre STOXX®- und DAX®-Indizes dienen als Basiswerte für ein großes Spektrum an Finanzprodukten sowie als Messgröße für Risiko und Wertentwicklung von Anlageaktivitäten. Bereits heute erfüllt die Gruppe Deutsche Börse verschiedene internationale Benchmark-Auflagen.

Europäische Marktinfrastrukturverordnung (EMIR)

Derivatemärkte sind weltweit zunehmend im Fokus der Aufsichtsbehörden. Die jüngsten Regulierungen schreiben in diesem Zusammenhang vor, dass standardisierte Derivatekontrakte über zentrale Kontrahenten abgewickelt werden. Darüber hinaus sind wesentliche Teile des außerbörslichen Handels auf besicherter Basis abzuwickeln und an zentrale Transaktionsregister zu melden. Zur Erfüllung dieser Ziele hat die EU im Jahr 2012 die EMIR-Verordnung eingeführt. Die Gruppe Deutsche Börse unterstützt ihre Kunden bei der Erfüllung der EMIR-Anforderungen, z. B. durch die bei Eurex Clearing eingesetzten Modelle zur Segregation von Kundenpositionen (ISA Direct) oder das Transaktionsregister REGIS-TR. Lesen Sie mehr über Clearing über einen zentralen Kontrahenten im Kapitel „Clearing“.

Kapitaladäquanzrichtlinie (CRD V) / Kapitaladäquanzverordnung (CRR II)

Das von der EU im November 2016 vorgestellte CRR II-Paket ist die vierte Überarbeitung der 2006 eingeführten Kapitaladäquanzrichtlinie (CRD) für Kreditinstitute und Wertpapierfirmen. Oberstes Ziel der CRD ist es, die Widerstandsfähigkeit des europäischen Bankensystems zu stärken, indem sichergestellt wird, dass die einzelnen Institute über eine quantitativ und qualitativ ausreichende Kapitalbasis verfügen. Die CRD umfasst Vergütungsrichtlinien, Grundsätze der verantwortungsvollen Unternehmensführung sowie das EU-weit geltende Regelwerk zur Bankenaufsicht. Die Gruppe Deutsche Börse prüft die Kapitalausstattung ihrer regulierten Geschäftseinheiten laufend und greift bei Bedarf ein, um eine adäquate Risikoabdeckung zu gewährleisten.

Kapitalmarktunion

Die Kapitalmarktunion ist eine Leitinitiative der Europäischen Kommission. Das oberste Ziel dieser Initiative ist die Förderung der Wirtschaft innerhalb der EU durch eine Stärkung der Rolle der Kapitalmärkte und eine verbesserte Finanzmarktintegration. Als Marktinfrastrukturanbieter ist die Gruppe Deutsche Börse aktiv an der Ausgestaltung der Kapitalmarktunion beteiligt und hat bereits einige marktorientierte Initiativen gestartet, darunter das Deutsche Börse Venture Network®, Venture Match, den FinTech Hub sowie das neue Wachstumssegment Scale, das die Gruppe als wesentlichen Erfolgsfaktor für die Kapitalmarktunion betrachtet.

MiFID II/MiFIR

Die überarbeitete Finanzmarktrichtlinie (MiFID II) und die dazu gehörende Verordnung (MiFIR) regeln Anlagedienstleistungen für eine Vielzahl von Finanzinstrumenten – sowohl für regulierte Handelsplätze als auch für den OTC-Markt. Die Überarbeitung dieser Vorgaben wird den europäischen Finanzmarkt grundlegend verändern. Zu den wesentlichen Neuerungen zählen erweiterte Transparenzvorschriften, Maßnahmen zur Erhöhung der Stabilität und Integrität der Marktinfrastruktur sowie eine verbesserte Qualität und Verfügbarkeit von Marktdaten.

Regulatorische Technologie (Regtech)

Der Begriff „Regtech“ bezieht sich auf Technologie, die speziell zur Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen weltweit entwickelt wurde. Durch die extrem hohen Datenmengen und die immense Geschwindigkeit, mit der Verordnungen geschaffen und verändert werden, stellen Berichtspflichten eine große Herausforderung dar – für Unternehmen wie für Aufsichtsbehörden. Mit Regtech sollen agile und intelligente IT-Lösungen gefunden werden, die den regulatorischen Belastungen mit Digitalisierung und Automatisierung begegnen und sich schnell an neue aufsichtsrechtliche Vorgaben anpassen (erfahren Sie mehr über innovative Technologien bei der Gruppe Deutsche Börse im Beitrag „Technologie und Markt der Zukunft“).

Sanierungs- und Abwicklungspläne für zentrale Kontrahenten

Die Sanierungs- und Abwicklungspläne für zentrale Kontrahenten (Central Counterparties, CCPs) ist der nächste gesetzgeberische Schritt in der Umsetzung der G20-Ziele. Damit wird die Rolle der CCPs als neutrale Risikomanager der Finanzmärkte gestärkt. Das Ziel der Neuregulierung besteht darin, Maßnahmen für extreme, jedoch vorstellbare finanzielle Belastungsszenarien festzulegen, um eine geordnete Sanierung oder Auflösung eines CCP zu gewährleisten, ohne auf öffentliche Mittel zuzugreifen. Die EU-Kommission hat im November 2016 den ersten Gesetzentwurf veröffentlicht. Die Gruppe Deutsche Börse unterstützt gemeinsam mit ihren beiden Clearinghäusern, Eurex Clearing und European Commodity Clearing, die unternommenen regulatorischen Bemühungen.

TARGET2-Securities (T2S)

Mit T2S, einer Plattform für die Wertpapierabwicklung in Zentralbankgeld, können Banken die Kosten der grenzüberschreitenden Wertpapierabwicklung reduzieren und Sicherheiten bündeln. Clearstream migrierte im Februar 2017 auf das T2S-System.

Zentralverwahrerverordnung (CSDR)

Die CSDR gehört zu den wichtigsten Regularien, die infolge der Finanzmarktkrise von 2008 auf den Weg gebracht wurden. Ein Wertpapierzentralverwahrer (Central Securities Depository, CSD) ist ein dem Handel nachgelagerter Infrastrukturdienstleister, der als Sammelstelle für Finanzinstrumente wie Aktien oder Anleihen dient. Bisher unterliegen solche Zentralverwahrer keiner Regulierung auf europäischer Ebene. Die CSDR soll diese Lücke schließen und gleichzeitig die Abwicklung von Wertpapiergeschäften sicherer und effizienter machen. Die neuen Regelungen treten voraussichtlich 2018 in Kraft. Clearstream, der Zentralverwahrer der Gruppe Deutsche Börse, nimmt aktiv am Gesetzgebungsprozess teil. Gleichzeitig bereitet die Gesellschaft die Beantragung aller notwendigen Lizenzen vor.


Weitere Informationen zu einer breiten Palette aufsichtsrechtlicher Themen haben wir auf folgender Website zusammengestellt: www.deutsche-boerse.com/dbg-de/regulierung